Sie betreuen die Herstellung der Vinyl-Editionen von Berliner Philharmoniker Recordings. Wie gehen Sie vor, sobald Sie eine Aufnahme bekommen haben?
Wenn ich die Aufnahmen erhalten habe, importiere ich sie zunächst in meine digitale Audio-Workstation. Dort mache ich mir einen Überblick über Spielzeiten, Anzahl und Reihenfolge der Stücke, Dynamik, Intensität, Besetzung/Arrangement und die generelle Klangästhetik. Anschließend versuche ich einzuschätzen, welche Passagen oder Titel besonders kritisch sein könnten, denn bei der Schallplatte – einem analogen Medium – müssen spezifische Dinge berücksichtigt werden. Wird das Programm zu leise überspielt, treten Rillengeräusche wie Rauschen oder Knackser deutlicher hervor, es leidet der sogenannte Rauschabstand. Einige Instrumente neigen jedoch dazu, auf der Platte bereits bei mittleren Pegeln störende Verzerrungen zu erzeugen. Dazu gehören auch Blechblasinstrumente. Für die Weihnachtsplatte Frohe Weihnachten! war also entscheidend, den »Sweet Spot« zu treffen, damit sich das Musiksignal gut vom Laufgeräusch abhebt, und gleichzeitig so moderat zu bleiben, dass der Hörgenuss nicht durch Verzerrungen geschmälert wird.

Sobald ich eine Vorstellung davon habe, wie die Überspielung technisch und klanglich umgesetzt werden kann, folgt ein Testschnitt. Lackfolien lassen sich wie eine ganz normale Schallplatte abspielen, sodass ich direkt beurteilen kann, wie sich das Ergebnis später anhören wird. Dabei schneide ich die Rillen der ausgewählten Passagen genau an der Stelle auf der Platte, wo sie sich später befinden werden.
Klingt der Testschnitt so, wie ich es mir vorgestellt habe, schneide ich anschließend das Schallplatten-Master für die industrielle Fertigung. Sollte ich dagegen feststellen, dass etwas nicht wie gewünscht klingt oder Probleme auftreten, analysiere ich die Ursache und passe die Überspielparameter entsprechend an. Aber bei akustischer Musik gibt es meistens keine bösen Überraschungen.
Dieses Master darf nicht mehr abgespielt werden, weil man beim Master im Gegensatz zum Testschnitt keine Abnutzungen in Kauf nehmen möchte. Stattdessen überprüfe ich unter dem Mikroskop, ob die Rillen die richtige Tiefe haben, ob sie sauber geschnitten sind, sich nicht anschneiden und so weiter. Wenn alles einwandfrei aussieht, verpacke ich die Lackfolien sorgfältig und schicke sie so schnell wie möglich an das Presswerk. Die zügige Verarbeitung ist entscheidend für die Qualität des Produkts, denn Lackfolien sind zeit- und temperaturempfindlich. Nach dem Schnitt verändert der Lack seine Oberflächenspannung, wodurch sich die Rillenformen nochmal minimal verändern können. Um das zu vermeiden, muss die Folie möglichst kühl transportiert und gelagert werden. Im Presswerk wird durch Galvanisierung ein Metallmaster hergestellt – erst dadurch wird die plastische Form stabil und haltbar gemacht.